Alenas Gedenkseite


Direkt zum Seiteninhalt

Über Trauer

Fremde
Wir sind nicht von dieser Welt, wir die ein Kind verloren haben.

Wir haben sie geführt, begleitet und jetzt mit ihnen die andere Welt berührt,
in die wir jetzt gehören, aber noch nicht gelangen können.


Wie sollen wir leben, hier, jetzt, heute- im Diesseits,
wo wir doch mit einem Fuß im Jenseits stehen- mit dem Herzen sind wir es sowieso.

Wir sind Fremde geworden - in unserer Heimat, fühlen uns oft fehl am Platz,
nicht dazu gehörig und verstehen unsere Muttersprache nicht mehr.

Denn die Sprache unseres Herzens kommt aus einer anderen Welt.
Und wenn wir aussprächen, was unser Herz fühlt, verstünde uns die Welt nicht mehr.

Es ist schwer zu Leben als Wanderer zwischen den Welten.
Mit Sehnsucht im Herzen, die nach oben zieht doch mit den Füßen festgefroren in der Erde.

Doch wenn wir- im Zwischenraum- einem begegnen der auch auf dem Weg ist, hierhin und dorthin,
sehen wir ein kleines Verstehen im Blick des anderen und ein Hauch von Wärme kommt zu uns.


Dann keimt die Ahnung, dass noch mehr wandern zwischen den Welten
und Verstehen möglich sein könnte.



Mitmenschen, nehmt uns Trauernde an

Geht behutsam mit uns um, denn wir sind schutzlos.
Die Wunde ist noch offen und weiteren Verletzungen preisgegeben.
Wir haben so wenig Kraft, um Widerstand zu leisten.

Gestattet uns unseren Weg, der lang sein kann.
Drängt uns nicht, so zu sein wie früher,
wir können es nicht.
Denkt daran, dass wir in Wandlung begriffen sind.
Lasst euch sagen, dass wir uns selbst fremd sind - habt
Geduld.

Wir wissen, dass wir Bitteres in eure Zufriedenheit streuen,
dass euer Lachen ersterben kann, wenn ihr unser Erschrecken seht,
dass wir euch mit Leid konfrontieren, das ihr vermeiden möchtet.

Wenn wir eure Kinder sehen, leiden wir.
Das "Nie mehr" ist wie ein Schrei in uns, der uns lähmt.
Wir müssen die Frage nach dem Sinn unseres Lebens stellen.
Wir haben die Sicherheit verloren, in der ihr noch lebt.

Ihr haltet uns entgegen: auch wir haben Kummer!
Doch wenn wir euch fragen, ob ihr unser Schicksal tragen möchtet, erschreckt ihr.
Aber verzeiht: unser Leid ist so übermächtig, dass wir oft vergessen, dass es viele Arten von Schmerz gibt.

Ihr wisst vielleicht nicht, wie schwer wir unsere Gedanken sammeln können.

Unsere Kinder begleiten uns.
Vieles, was wir hören, müssen wir auf sie beziehen.

Wir hören euch zu, aber unsere Gedanken schweifen ab.
Nehmt es an, wenn wir von unseren Kindern und unserer Trauer zu sprechen beginnen.

Wir tun nur das, was in uns drängt.
Wenn wir eure Abwehr sehen, fühlen wir uns unverstanden und einsam.
Lasst unsere Kinder bedeutend werden vor euch!

Teilt mit uns den Glauben an sie.
Noch mehr als früher sind sie ein Teil von uns.
Wenn ihr unsere Kinder verletzt, verletzt ihr uns.
Mag sein, dass wir sie vollendeter machen, als sie es waren,
aber Fehler zuzugestehen fällt uns noch schwer.
Zerstört nicht unser Bild.
Glaubt uns: wir brauchen es so.

Versucht, euch in uns einzufühlen.
Glaubt daran, dass unsere Belastbarkeit wächst.
Glaubt daran, dass wir eines Tages mit neuem Selbstverständnis leben werden.
Euer "Zu-trauen" stärkt uns auf diesem Weg.

Wenn wir es geschafft haben, unser Schicksal anzunehmen, werden wir euch freier begegnen.
Jetzt aber zwingt uns nicht mit Wort und Blick, unser Unglück zu leugnen.
Wir brauchen eure Annahme.

Vergesst nicht, wir müssen so vieles von neuem lernen.
Unsere Trauer hat unser Sehen u. Fühlen verändert.

Bleibt an unserer Seite.
Lernt von uns.
Für euer eigenes Leben.
(Erika Bodner)

Über das stark sein

Viele Menschen sind überzeugt davon
dass Stark- und Tapfer-Sein bedeutet
an "etwas anderes" zu denken
nicht über Trauer zu sprechen

Aber wir wissen
dass wirklich Stark- und Tapfer-Sein bedeutet
an das Geschehene zu denken
über das Gewesene zu sprechen
bis unsere Trauer beginnt
erträglich zu werden.

Das ist wirkliche Stärke
das ist wirklicher Mut
Und nur so wird
Stark- und Tapfer-Sein
uns zur Heilung tragen

(Sascha Wagner)

Grundrechte:


Du hast das Recht, deine dunklen Stunden zu durchleben und dich nicht durch billige Sprüche aus ihnen herauslocken zu lassen. Schon der Versuch ist eine Entwürdigung deiner inneren Wirklichkeit.
Du bist auch deine Dunkelheit. Die Abgründe und Widersprüche gehören auch zu dir.
Die Schatten geben deinem Leben Tiefe und Menschlichkeit.
Wer mit dir in Beziehung tritt, sollte wissen, dass diese Seite zu dir gehört.
Wer sie in dir ablehnt, hat nicht das Recht, sich deinen Freund und deine Freundin zu nennen.
Manche geben dir nicht das Recht auf diese Seite in dir.
Sie erwarten, dass du sie unterschlägst und das Glück vorspielst.
Vielleicht haben sie weniger Angst für dich als für sich selbst, weil sie durch dich an das Unoffene in sich selbst geraten. Wenn sie darum dir helfen wollen, geschieht es nicht, um Dir zu helfen, sondern sich selbst.
Du hast ein Recht auf deine Trauer.
Du darfst dich deinen Verlusten widmen, musst nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern, was dich so tief enttäuscht hat und was du nicht ändern kannst.
Du hast ein Recht auf deine Tränen, auf dein Schweigen, auf deine Ratlosigkeit, auf deine innere und äußere Abwesenheit.
Du musst nicht den Glücklichen spielen, nicht über den Dingen stehen.
Du hast ein Recht, die wegzuschicken, die dich mit Gewalt aus deiner Trauer herausholen wollen, weil deine Trauer sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.
Du hast ein Recht, mit denen nicht reden zu wollen, die dir ein schlechtes Gewissen machen für deine Dunkelheit und Trauer. Die mit Sprüchen kommen und dich mit diesen Sprüchen unter Druck zu setzen versuchen.
Du hast ein Recht auf deine Trauerstille.
(Ulrich Schaffer)




Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü